Vor einigen Wochen saß ich einem Unternehmer gegenüber, der seit Jahrzehnten hier produziert. Er wollte erweitern, hatte die Fläche, das Geld und die Aufträge. Was ihm fehlte, war die Genehmigung. Nach Monaten des Wartens sagte er einen Satz, der mich seitdem nicht loslässt: „Dann baue ich eben woanders." Kein Wutausbruch, keine Drohung – eine nüchterne unternehmerische Entscheidung.
Er ist damit nicht allein. In vielen Gesprächen mit mittelständischen Betrieben im Landkreis höre ich dieselbe Zurückhaltung: Man investiert noch, aber vorsichtiger. Man plant die nächste Halle lieber woanders. Man macht das nicht laut, man macht es einfach. Und weil es leise geschieht, taucht es in keiner Statistik auf – bis die Arbeitsplätze woanders entstanden sind.
Ein Betrieb, der abwandert, geht nicht mit einem Knall. Er verlagert erst eine Investition, dann eine Abteilung. Was bleibt, ist ein Standort, an dem nichts mehr wächst.
Die Lage in Zahlen
Unsere Wirtschaft steht auf einem soliden Fundament. Die Industriebetriebe im Landkreis erwirtschafteten 2025 einen Umsatz von 7,8 Milliarden Euro, davon 1,8 Milliarden Euro im Ausland. Gut 19.000 Menschen arbeiten allein in den 78 Industriebetrieben mit 50 und mehr Beschäftigten, dazu kommen rund 600 Handwerksbetriebe und eine Ernährungswirtschaft, die weit über den Landkreis hinaus wirkt. Die Arbeitslosenquote im Bezirk der Arbeitsagentur Vechta lag 2025 bei 4,1 Prozent – die zweitniedrigste in ganz Niedersachsen, bei einem Landesdurchschnitt von 6,1 Prozent.
Das klingt nach einer Erfolgsgeschichte. Und ist zugleich das Problem: Weil fast jeder Arbeit hat, wird um jede einzelne Fachkraft hart gekämpft. Wer heute Fachkräfte sucht, konkurriert nicht mehr mit dem Nachbarbetrieb, sondern mit ganz Deutschland.
Zwei Engpässe: Tempo und Leute
Zur Zurückhaltung beim Investieren kommt der zweite Engpass. Bei der Podiumsdiskussion der Kreishandwerkerschaft in Cloppenburg war es die Frage, die am häufigsten kam: Woher sollen die Fachkräfte kommen? Im Podcast „Herzblut und Heilkunst" vom St. Marien Hospital in Friesoythe ging es um dasselbe. Zwei sehr unterschiedliche Runden, eine gemeinsame Sorge – es fehlt nicht an Arbeit, es fehlt an jungen Menschen, die sie machen wollen.
Die Zahlen zeigen dasselbe Bild: Im Bezirk der Arbeitsagentur Vechta standen zuletzt rund 1.460 gemeldeten Ausbildungsplätzen knapp 980 Bewerberinnen und Bewerber gegenüber. Unbesetzt bleiben vor allem Stellen in Elektronik, Anlagenmechanik, Metallbau, im Bau und im Kfz-Handwerk – also genau dort, wo unsere Betriebe ihr Geld verdienen.
Dazu kommt die Nachfolgefrage. Bundesweit war 2025 mehr als jeder zweite Mittelständler 55 Jahre oder älter, über 130.000 Handwerksbetriebe stehen vor der Übergabe – rund ein Drittel davon findet keinen Nachfolger. Auch das geschieht leise: Ein Betrieb ohne Nachfolge schließt nicht mit einem Knall, sondern wenn der Meister in Rente geht. Und mit ihm verschwinden Ausbildungsplätze, Aufträge für andere Betriebe und ein Stück Ortskern.
Meine Kinder gehen hier in den Kindergarten. Wenn eines von ihnen später eine Ausbildung im Handwerk machen möchte, frage ich mich: Wird es die Betriebe dann noch geben? Das ist für mich keine abstrakte Wirtschaftsfrage.
Was ein Landrat nicht entscheidet
Mir ist wichtig, auch im Wahlkampf ehrlich zu sagen, was ein Landrat entscheiden kann – und wo andere zuständig sind. Über Steuern, Energiepreise und das Zuwanderungsrecht wird in Berlin entschieden, nicht im Kreishaus. Die Gewerbesteuer setzen die Städte und Gemeinden fest, ebenso weisen sie über ihre Bauleitplanung neue Gewerbegebiete aus – nicht der Landkreis. Und wie viele Ausbildungsplätze ein Betrieb anbietet, entscheidet am Ende der Betrieb selbst.
Was ein Landrat tatsächlich in der Hand hat
Was ein Landrat dagegen in der Hand hat, ist größer, als es auf den ersten Blick wirkt. Der Landkreis ist Schulträger der berufsbildenden Schulen in Cloppenburg und Friesoythe – er entscheidet über Werkstätten, Ausstattung und Standorte, an denen unsere Fachkräfte von morgen ausgebildet werden. Er ist untere Bauaufsichtsbehörde und bestimmt damit, wie schnell eine Betriebserweiterung genehmigt wird. Er führt die Ausländerbehörde, über die jede Arbeitserlaubnis für eine ausländische Fachkraft läuft. Er vergibt eigene Aufträge in Millionenhöhe und legt fest, in welchem Zuschnitt. Und er betreibt eine Wirtschaftsförderung, die direkt dem Landrat unterstellt ist. Genau dort will ich ansetzen: bei den Stellschrauben, die im Kreishaus liegen, nicht bei denen in Berlin oder Hannover.
Warum ich mir das zutraue
Ich bin kein Berufspolitiker. Ich komme aus der Wirtschaft. Ich habe Volkswirtschaftslehre in Göttingen, Nottingham und Shanghai studiert und danach selbst ein Unternehmen mitgegründet – ein Dental-Tech-Start-up in Potsdam, das als erstes zahnmedizinisches Start-up überhaupt Kassenleistung wurde. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn eine Genehmigung drei Monate statt drei Wochen dauert und ein Auftrag deshalb platzt. Heute begleite ich als Standortmanager beim Starthaus Bremerhaven Gründerinnen und Gründer und entscheide über öffentliche Förderkredite. Genau diese Erfahrung – schnelle Entscheidungen, klare Ansprechpartner – will ich als Landrat einbringen.
Drei Ansatzpunkte für Cloppenburg
Deshalb setze ich als Landrat an drei Stellen an.
Erstens: Tempo in der Verwaltung. Wo die Bauaufsicht des Kreises zuständig ist, will ich verbindliche Bearbeitungszeiten und einen festen Rückmeldetermin: Wer einen Antrag stellt, soll wissen, bis wann er eine Antwort bekommt – und wer sie ihm gibt. Jeder Betrieb bekommt dafür einen festen Ansprechpartner, bspw. in der Wirtschaftsförderung, von der ersten Idee bis zur Umsetzung, statt wechselnder Zuständigkeiten. Und ich will messen und veröffentlichen, wie lange Genehmigungen bei uns tatsächlich dauern. Was man misst, verbessert sich; was niemand erfasst, bleibt, wie es ist. Wenn der Kreis selbst baut oder Aufträge vergibt, teile ich sie zudem in kleinere Lose auf, damit sich auch ein Betrieb mit zehn Mitarbeitenden bewerben kann – nicht nur große Konzerne von außerhalb.
Dass das funktioniert, müssen wir nicht anderswo abschauen – wir haben es vor der Haustür. Der ecopark in Emstek, getragen von den Gemeinden Emstek und Cappeln, der Stadt Cloppenburg und dem Landkreis, arbeitet genau so: kurze Wege zwischen allen Beteiligten, eine schlanke Organisation, ein fester Ansprechpartner. Ansiedlungswilligen Betrieben wird dort eine Baugenehmigung binnen sechs Monaten zugesagt – in der Praxis liegt sie oft schon nach wenigen Wochen vor, sofern genügend Prüfstatiker verfügbar sind. Diese Arbeitsweise ist kein Zufall, sondern eine Entscheidung. Und sie lässt sich auf den ganzen Landkreis übertragen.
Zweitens: Junge Leute für unsere Betriebe gewinnen. Wenn junge Menschen fehlen, muss der Landkreis dort ansetzen, wo er selbst zuständig ist – und das ist mehr, als viele denken. Als Schulträger der berufsbildenden Schulen entscheide ich über deren Werkstätten und Ausstattung: Hier soll an der Technik ausgebildet werden, die in den Betrieben tatsächlich steht, nicht an der von gestern. Über die Schulen des Kreises will ich Praktika und Betriebsbesuche verbindlich machen, damit jede Schülerin und jeder Schüler die Betriebe vor der Haustür kennt, bevor die Entscheidung über den Beruf fällt. Dazu kommen Azubi-Wohnen und bessere Azubi-Mobilität, damit eine Ausbildung nicht daran scheitert, wie jemand um sieben Uhr zum Betrieb kommt. Und ich nutze einen Hebel, der ganz beim Kreis liegt: eine schnellere Ausländerbehörde, damit qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland nicht monatelang auf ihre Arbeitserlaubnis warten, während die Betriebe hier auf sie warten. Zugleich soll die Wirtschaftsförderung übergabereife Betriebe früh ansprechen und mit möglichen Nachfolgerinnen und Nachfolgern zusammenbringen – gemeinsam mit Handwerkskammer, Kreishandwerkerschaft und IHK, bevor der Meister in Rente geht, nicht danach.
Drittens: Neue, hochwertige Arbeitsplätze schaffen. Unser Landkreis ist in mehreren Branchen stark – in der Agrar- und Ernährungswirtschaft, im Maschinen- und Fahrzeugbau, in der Elektrotechnik und im Metallgewerbe. Zu jeder dieser Stärken gibt es Hochschulen und Forschungseinrichtungen, mit denen sich eine dauerhafte Zusammenarbeit aufbauen lässt. Diese Verbindungen will ich systematisch herstellen – und darüber hinaus dafür werben, dass sich wissenschaftliche Einrichtungen mit eigenen Standorten bei uns ansiedeln. Wo geforscht und entwickelt wird, entstehen Arbeitsplätze für Menschen, die heute nach Oldenburg, Osnabrück oder Bremen pendeln oder ganz wegziehen. Und die Betriebe vor Ort bekommen Zugang zu Wissen, das sie sich allein nicht leisten können. Das ist kein Ersatz für Ausbildungsberufe: Berufliche und akademische Bildung sind für mich gleichwertig. Es ist ein zweites Standbein neben Industrie und Handwerk.
Was zählt
Unser Wohlstand ist kein Selbstläufer. Er hängt daran, ob wir jetzt handeln oder zusehen, wie Investitionen und Betriebe leise abwandern. Ich verspreche Ihnen keine Wunder. Aber ich verspreche, die Wirtschaft im Landkreis aktiv einzubeziehen und Probleme und Herausforderungen gemeinsam anzupacken, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Messen Sie mich daran, ob Genehmigungen und Arbeitserlaubnisse in Wochen statt Monaten entschieden werden, ob mehr Betriebsübergaben gelingen, ob Aufträge des Kreises in kleineren Losen an Betriebe aus dem Landkreis gehen – und ob junge Fachkräfte hierbleiben, statt zu pendeln.
Ich trete als unabhängiger Kandidat an, weil ich eine gute Idee nicht danach beurteilen will, von welcher Partei sie kommt, sondern danach, ob sie den Betrieben hier hilft. Dass mich mit SPD und FDP zwei Parteien mit ganz unterschiedlichen politischen Traditionen unterstützen, ist für mich genau der Beleg dafür: Hier zählt die Sache, nicht das Parteibuch.
Der Unternehmer, der lieber woanders bauen wollte, hat mir zum Abschied noch etwas gesagt: Am liebsten würde er hierbleiben. Er kennt die Leute, die Zulieferer, den Ort. Genau darum geht es. Nicht um Wirtschaftsförderung als Begriff, sondern darum, ob jemand, der hier investieren will, dafür nicht bestraft wird. Ich wünsche mir, dass unsere Kinder auch in zwanzig Jahren gute Arbeitsplätze, starke Betriebe und lebendige Ortskerne vorfinden.
Wenn Sie einen Betrieb führen, vor der Übergabe stehen oder eine Idee haben, was der Landkreis besser machen kann – sprechen Sie mich an, schreiben Sie mir oder kommen Sie zu einer der nächsten Veranstaltungen im Landkreis vorbei. Jede Rückmeldung hilft mir, die richtigen Prioritäten zu setzen.
Zukunft gemeinsam gestalten. Statt nur verwalten.