In meinem ersten Beitrag habe ich Ihnen erzählt, warum ich für unseren Landkreis kandidiere – und wie meine Familie nach Vechta fahren musste, weil wir hier keinen Kinderarzttermin für unser Kind bekommen haben.
Diese Geschichte war mehr als ein einzelnes Erlebnis. Sie ist ein Symptom für ein Thema, das über die kommenden acht Jahre entscheidend sein wird: den demografischen Wandel in unserem Landkreis.
Seitdem habe ich viele weitere Gespräche geführt, die dieselbe Geschichte in anderen Worten erzählen. Vor ein paar Wochen saß ich einem Handwerksmeister aus Molbergen gegenüber, der in ein paar Jahren in Rente gehen möchte. Sein Problem ist nicht die Auftragslage – die ist gut. Sein Problem: Er findet niemanden, der seinen Betrieb übernimmt. Andere erzählen mir von der Dorfschule, die um jede Anmeldung kämpft, oder vom Hof, für den sich kein Nachfolger findet.
Das sind keine Einzelfälle mehr. Das ist der demografische Wandel – und er hat längst begonnen.
Nicht der Wandel ist das Problem, sondern Stillstand
Der Landkreis Cloppenburg ist lange gewachsen – vor allem durch Zuzug und eine der höchsten Geburtenraten Deutschlands von 1,9 Kindern je Frau. Doch der Zuzug geht zurück. Das Statistische Landesamt erwartet bis 2045 einen Bevölkerungsrückgang von bis zu 10 Prozent. Das heißt: Im Schnitt fehlt bis 2045 jeder zehnte Nachbar. Gleichzeitig altert unser Landkreis spürbar – die Zahl der Menschen über 75 verdoppelt sich bis 2042, mehr als ein Viertel der Bevölkerung wird dann über 65 Jahre alt sein.
Diese Zahlen sind kein fernes Zukunftsszenario. Sie wirken schon heute – in Werkstätten, Wartezimmern, Klassenzimmern und Vereinsheimen.
Was das für unseren Landkreis bedeutet
Der Fachkräftemangel verschärft sich, und Unternehmensnachfolgen wie die des Handwerksmeisters aus Barßel werden zur Regel statt zur Ausnahme. Schulen, Kitas, Arztpraxen und Busse brauchen eine Mindestnachfrage, um wirtschaftlich zu bleiben – bleibt sie aus, verschwinden sie zuerst dort, wo sie ohnehin schon knapp sind. Genau das haben wir selbst erlebt, als wir keinen Kinderarzttermin bekamen: Der Bedarf an Pflege und medizinischer Versorgung steigt stark, während gleichzeitig weniger Beitragszahlende und weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen. Vereine und Ehrenamt verlieren an Tragfähigkeit, kommunale Haushalte geraten unter Druck, und in unseren Ortskernen nehmen Leerstände zu.
Und das sind längst nicht alle Folgen des Wandels.
Warum mir das wichtig ist
Meine größte Motivation sind unsere beiden Kinder. Wenn ich mir vorstelle, dass sie in zwanzig Jahren hier leben möchten, ist die Frage für mich nicht abstrakt: Werden sie dann noch eine gute Schule in der Nähe haben? Einen Arzt, der sie behandelt? Einen Arbeitsplatz, der sich lohnt? Ein Vereinsleben, das trägt? Genau deshalb ist der demografische Wandel für mich kein Verwaltungsthema, sondern eine Frage, die unsere Familien ganz direkt betrifft.
Wer ich bin
Ich bin kein Berufspolitiker. Ich komme aus der Wirtschaft. Nach meinem Studium der Volkswirtschaftslehre in Göttingen, Nottingham und Shanghai habe ich Unternehmen mitgegründet – zuletzt als Mitgründer und Chief Business Development Manager des Dental-Tech-Start-ups Denton Systems in Potsdam, das als erstes zahnmedizinisches Start-up überhaupt Kassenleistung wurde. Heute begleite ich als Standortmanager des Starthaus Bremerhaven bei der Bremer Aufbaubank Gründerinnen und Gründer und entscheide über öffentliche Förderkredite. Ich weiß deshalb aus erster Hand, wie schwer es geworden ist, Nachfolger für gute Betriebe zu finden – und wie viel Potenzial verloren geht, wenn niemand gegensteuert.
Meine Antworten
Der demografische Wandel ist für mich kein Schicksal, sondern ein Auftrag. Deshalb will ich:
Mehr attraktive, gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen – wissensbasierte Unternehmen ansiedeln, Fachkräfte halten und zurückgewinnen.
Eine starke Infrastruktur sichern – besseren ÖPNV und moderne, bedarfsorientierte Mobilität auch ohne eigenes Auto sowie schnelles, flächendeckendes Internet.
Verlässliche Gesundheitsversorgung ausbauen – Ärzte gewinnen, Kliniken sichern und Arzt, Pflege sowie digitale Sprechstunden in einem regionalen Gesundheitszentrum unter einem Dach zusammenbringen.
Einen familienfreundlichen Landkreis gestalten – bezahlbaren Wohnraum durch mehr Flächen zum Bauen, gute Kitas und Schulen sowie gleichwertige Lebensverhältnisse in Nord- und Südkreis.
Und weil ich weiß, wie lange Verwaltungsprozesse heute oft dauern: Ich will Entscheidungen künftig in Wochen statt in Monaten treffen. Genau diese Geschwindigkeit kenne ich aus der Begleitung von Unternehmensinvestitionen – und genau diese Geschwindigkeit braucht jetzt auch unsere Verwaltung.
Deshalb kandidiere ich unabhängig
Ich möchte gute Ideen nicht danach beurteilen, von welcher Partei sie kommen, sondern danach, ob sie den Menschen helfen. Deshalb trete ich als unabhängiger Kandidat an. Ich freue mich über die Unterstützung von SPD und FDP, weil sie zeigt, dass gute Lösungen wichtiger sein können als Parteigrenzen.
Woran Sie mich messen können
Ich verspreche Ihnen keine Wunder. Aber ich verspreche Ihnen, den demografischen Wandel aktiv zu gestalten statt ihn nur zu verwalten. Messen Sie mich daran, ob Handwerksbetriebe wieder Nachfolger finden, ob Seniorinnen und Senioren einen Arzt in der Nähe haben, ob Busse und Shuttles auch ohne eigenes Auto verlässlich fahren, und ob junge Menschen wieder mehr Gründe sehen, im Landkreis Cloppenburg zu bleiben oder zurückzukommen.
Am Ende wird ein Landrat nicht an Ankündigungen gemessen, sondern an den Problemen, die er löst.
Am Ende
Genau wie ich es Ihnen in meinem ersten Beitrag versprochen habe: Ich möchte nicht nur über Probleme sprechen, sondern sie lösen. Anpacken statt abwarten – genau darum geht es beim demografischen Wandel. Nicht der Wandel selbst ist das Problem, sondern Stillstand.
Ich wünsche mir, dass unsere Kinder auch in zwanzig Jahren noch gute Schulen, Ärzte, Arbeitsplätze und lebendige Ortskerne in unserem Landkreis vorfinden.